Bosch Power Tools hat ein Pilotprojekt abgeschlossen, das zeigt, dass sich technische Kunststoffe aus ausgedienten Elektrowerkzeugen für neue Geräte wiederverwenden lassen. Mit der „Closed-Loop Edition“ der Schlagbohrmaschine UniversalImpact 800 demonstriert das Unternehmen, dass Gehäuse anspruchsvoller Produkte auch mit Rezyklat gefertigt werden können, ohne Abstriche bei Qualität oder Langlebigkeit. Die Sonderedition besteht zu 78 Prozent aus recyceltem Gehäusematerial.
Hintergrund des Projekts ist der bislang geringe Recyclinggrad technischer Kunststoffe. Diese Werkstoffe, die in Elektrowerkzeugen wegen ihrer besonderen Festigkeit und Temperaturbeständigkeit eingesetzt werden, werden nach dem Ende der Produktlebensdauer meist verbrannt. Bosch sieht hier ein erhebliches Potenzial zur CO₂-Reduktion und wollte prüfen, ob ein Materialkreislauf unter realen Produktionsbedingungen möglich ist.
„Mit diesem Projekt zeigen wir, dass wir den technischen Kunststoff tatsächlich im Kreislauf führen können. Das Projekt zielt auf gleich mehrere Schwerpunkte unserer Nachhaltigkeitsstrategie ab: verantwortungsvoller Materialeinsatz, Zirkularität und CO₂-Reduzierung“, erklärt Anne Purper, Projektleiterin Kreislaufwirtschaft bei Bosch.
Die zentrale Herausforderung lag in der Sicherstellung der Materialqualität. Technische Kunststoffe müssen hohen Belastungen standhalten und recycelte Varianten erfüllen diese Anforderungen oft nicht oder sind nicht in der benötigten Qualität verfügbar. Ziel war es daher, ein Produkt aufzubauen, das die regulären Qualitätsstandards von Bosch erfüllt und sich ohne Sonderprozesse in die Serienfertigung integrieren lässt. „Die Herausforderung bestand darin, auf Basis von Altgeräten eine serientaugliche Qualität für unsere Sonderedition zu realisieren – das war echtes Neuland, ohne etablierte Standards oder langjährige Praxiserfahrung“, so Thomas Hampel, Projektleiter Nachhaltigkeit.
Für das Projekt wurden mehrere Tausend ausgediente Elektrowerkzeuge gesammelt, demontiert und analysiert. Die daraus entstandene Datenbank mit über einer halben Million Datenpunkten ermöglichte erstmals eine präzise und rechtssichere Vorsortierung der Kunststoffe. Auf dieser Grundlage entwickelte Bosch einen mehrstufigen Recyclingprozess, der schlussendlich einen glasfaserverstärkten Kunststoff lieferte, der ohne Additive verarbeitet werden konnte und alle Anforderungen an Neumaterial erfüllte.
Nicht alle Materialien des Altgeräte-Kreislaufs ließen sich wiederverwenden: Rund 22 Prozent entfielen auf Komponenten wie Schalter, Bohrfutter oder Softgrip-Elemente, die aus anderen Kunststofftypen bestehen oder farblich abweichen. Trotz dieser Einschränkung liefert das Pilotprojekt erstmals belastbare Daten zu verfügbarer Materialqualität, benötigten Prozessschritten und realistischen Zeitabläufen und schafft damit eine wichtige Basis für zukünftige Anwendungen von Rezyklaten in der Elektrowerkzeugproduktion.






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